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  • Pressemitteilung FKZ: Verwendung von Albeli-Schwebnetzen

Verwendung von Albeli-Schwebnetzen / Felchenbesatz im Zürichsee, über 60 Millionen Stück pro Jahr – eine reine Monoaquakultur / Reduktion der Anzahl Berufsfischer am Zürichsee

(Original der Pressemeldung)

Verwendung von Albeli-Schwebnetzen

Der Presse war zu entnehmen, dass an der Generalversammlung des Regionalverbands der Berufsfischer Zürich- und Walensee (RBZW) vom 24. Januar 2018 beschlossen wurde, den Einsatz von engmaschigeren Schwebnetzen in grösserer Seetiefe für die Befischung von Albeli bei der zuständigen Behörde zu beantragen. Der Fischereiverband Kanton Zürich FKZ und die Interessengemeinschaft „dä neu Fischer“, als Vertreter der Angelfischer im Zürichsee möchte zu diesem Sachverhalt folgende Stellungnahme beziehen.
Beim Albeli handelt es sich nicht primär um einen Zielfisch der Angelfischer. Hingegen sprechen sowohl fischereitechnische als auch ökologische Gründe gegen die Verwendung von zusätzlichen Schwebnetzen für die gezielte Befischung der Albeli, wobei wir davon ausgehen, dass die Albelinetze nur in einer noch festzulegenden Mindestiefe (40 m und tiefer) gesetzt werden dürfen.
In fischereitechnischer Hinsicht werden sich zwischen Berufsfischerei und Angelfischerei ernsthafte Konflikte einstellen, falls auch für Albelinetze die Verfügung über die Ausübung der Netzfischerei im Zürichsee und Obersee zur Anwendung kommen sollte. Bereits heute wird die Schleppfischerei durch Schwebnetze arg behindert. Es ist davon auszugehen, dass es sich für den Albelifang allenfalls um weitere zusätzliche Schwebnetze handeln wird, die
zudem während des ganzen Jahres (mit Ausnahme der Schonzeit vom 20.11. bis 31.12.) verwendet würden.
In ökologischer Hinsicht spricht gegen die Anwendung engmaschiger und tief gesetzter Schwebnetze die Befürchtung, dass neben dem Albeli auch Seesaiblinge gefangen werden. Der in schwachen Beständen heimische Seesaibling beansprucht bekanntlich denselben Lebensraum wie das Albeli.
Das Projet Lac (eine kürzlich erschienene Untersuchung der Eawag - das Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs) hat einige gewichtige Aussagen ermöglicht, unter anderem z.B. dass es ein grober Fehler wäre, den Zürichsee mit Phosphor zu düngen, wie dies die Berufsfischer an anderen Seen propagieren.
Besonders spannend sind die Erkenntnisse zur Felchenpopulation. Offensichtlich ist das Albeli im Obersee wieder heimisch. Ebenfalls im Obersee ist offenbar eine vierte, genetisch eigenständige Population der Sandelche vorhanden, welche im Untersee fehlt. Das Albeli konnte durch das Projet Lac im Untersee nicht nachgewiesen werden, was aber noch nicht bedeutet, dass diese Fischpopulation im Untersee tatsächlich fehlt. Hingegen ist der Schweber, ein Felchen mittlerer Grösse, im Untersee gut vertreten, was bisher unbekannt war. Diese Ergebnisse mahnen zur Vorsicht. Falls den Berufsfischern tatsächlich gestattet werden sollte, den Kleinfelchen in grösserer Tiefe zu befischen, besteht die Gefahr, dass nicht Albeli gefangen werden, sondern die schwache Population vom Schweber geschädigt wird. Und insbesondere im weniger tiefen Obersee könnte es sich bei den Kleinfelchen auch um juvenile Exemplare der Sandfelche handeln, was ihren Bestand ebenfalls gefährden würde. Dieser Sachverhalt muss genauer abgeklärt werden, bevor den Berufsfischern erlaubt wird, Kleinfelchen zu befischen. 
Summa summarum: Das Projet Lac hat zu sehr interessanten Ergebnissen geführt, die Anlass geben, weitere populationsgenetische Untersuchungen vorzunehmen und den Berufsfischern vorerst die Bewilligung zu verweigern, Kleinfelchen in der Tiefe zu befischen. 

Massiver Felchenbesatz im Zürichsee. Eine reine Monoaquakultur!

Seit Jahren werden im Zürichsee zwischen 60 und 90 Millionen Felchenbrütlinge durch die Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich in den Zürichsee eingesetzt. Eine unvorstellbar grosse Anzahl. Und das ganze wird seit Jahrzehnten gemacht, ohne jegliche wissenschaftliche Begleitung oder eine Erfolgskontrolle. 
Ein solcher Eingriff in einen natürlichen Lebensraum ohne fachliche Begleitung wäre selbst in der Landwirtschaft unvorstellbar. In der Fischerei ist es seit Jahren eine gelebte Realität. 
Diese nicht zu verantwortenden Eingriffe in das natürliche Ökosystem eines Sees müssen endlich neu beurteilt werden. Es ist davon auszugehen, dass sich die Bedingungen für eine Naturverlaichung im Zürichsee in den letzten Jahren verbessert haben, insbesondere dank der Tatsache, dass der See wieder deutlich sauberer geworden ist. Es gilt auch festzuhalten, dass unsere Mittellandseen generell keine landwirtschaftlichen Nutzzonen sind, sondern natürliche Lebensräume und enorm wichtige Trinkwasserspeicher. Die knappen Gelder die für die Fischerei zur Verfügung stehen müssen sinnvoll verwendet und dürfen nicht einseitig eingesetzt werden.

Zu viele Berufsfischer auf dem Zürich- und Obersee?

Auch die Anzahl der ausgegebenen Berufsfischerpatente auf dem Zürichsee (zürcher Teil, 70% Wasserfläche), an der Zahl deren zehn - zwölf weitere kommen auf dem Obersee (30% Wasserfläche) dazu, zeigen, dass hier ein Missverhältnis vorherrscht und die Dichte ebenfalls endlich zu hinterfragen wäre.
Es ist deshalb längst angezeigt und auch vernünftig, diese Anzahl natürlich zu verringern. Wir fordern deshalb, dass bei Geschäftsaufgabe eines Berufsfischers, welcher über keine eigenen Kinder verfügt, welche den Betrieb weiterführen möchte, keine weiteren Bewilligungen mehr zu erteilen.
 
Sacha Maggi
Fischereiverband des Kantons Zürich, Präsident
 
Rolf Schatz
IG Dä Neu Fischer, Präsident
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